"Morddrohung" ;-)
Wer in einer Firma mit einem Innenrevisor arbeitet, der weiß, das dieser Menschenschlag meist alles andere als lustig drauf ist und eher wie ein rohes Ei behandelt werden sollte. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie folgende Begebenheit eindeutig beweist. Ob das am Namen oder Gemüt unseres Innenrevisors (Herr Gutmann) liegt mag der geneigte Leser selbst entscheiden. ;o)
Vorgeschichte: Beim Projekt www.cash-gate.de ergab es sich, dass ich eines Tages über den UNiMUT Schwobifying Proxy stolperte. Dieser Proxy "übersetzt" komplette Webseiten nach Schwäbisch. Nun sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Aussprache unseres Innenrevisors für Unkundige recht schwäbisch klingt.
Also mal schnell ein paar Seiten von www.cash-gate.de durch den o.g. Proxy gejagt, danach (ohne URI-Angabe!) ausgedruckt und mit einem entsprechenden schwäbisch klingenden Vermerk als "neues Projekt www.cash-gate.de in schwäbisch" an unseren Innenrevisor verschickt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten...
Hinweis: Die Erlaubnis, den Text dieser Antwortmail zu veröffentlichen hat mir o.g. Innenrevisor erteilt, danke an dieser Stelle dafür, Herr Gutmann!
Subject: Cash-Gate in Ausländisch?
Sehr geehrter Herr Praast,
wenn ich Sie in den nächsten Tagen mit einer Eisenstange erschlüge, mich
dann hurtig nach Baden absetzte, würde ich dort allenfalls wegen
Ruhestörung verklagt. Der BGH, Sitz in Karlsruhe, würde voll Verständnis
auf einen Badener blicken, der, unverschuldet mit Schwaben (Württembergern)
in einen Topf geworfen wird. Wahrscheinlich bekäme ich noch Anrechte auf
Ihren Nachlaß, weil nach so viel Beleidigung und Diskriminierung mein
weiteres Leben ohne permanente psychiatrische Betreuung nicht mehr
lebenswert wäre.
Die Gegend aus der ich stamme bietet dem Fremden reichlich die Möglichkeit,
verhauen und beleidigt zu werden. Wer die feinen Unterschiede im Südwesten
Deutschlands nicht kennt, der muß sich nicht wundern, wenn er sich auf
einem Scheiterhaufen wiederfindet. Sie haben Glück! Als badischer
Vorderösterreicher (damit können Sie jetzt gar nichts anfangen!) ist in mir
das Element der Gutmütigkeit, des Verständnisses und der Verzeihung enorm
ausgeprägt, wie Ihnen meine Mitarbeiter und die von mir geprüften Kollegen
sicher gerne bestätigen werden. Einem unwissenden Preußen mit slawischen
Vorfahren seine Unkenntniss vorzuhalten, käme mir barbarisch und
steinzeitlich vor.
Lieber Herr Praast. Die Geschichte der Alemannen ist sicher einem
Aussenstehenden nur schwer zu vermitteln, und deswegen versuche ich es gar
nicht erst. Zur Erhaltung Ihrer Gesundheit sollten sie aber vorsichtshalber
zur Kenntniss nehmen, daß es Alt- und Neu-Alemannen gibt. Verwechslungen
derselben sind (im lebensbedrohenden Sinne) tödlich. Zu den West- oder
Alt-Alemannen zählen die Südbadener, die Deutschschweizer, die Elsässer
(Wagges) und die Vorarlberger (Kanton Übrig). Deren Sprache unterscheidet
sich vom 'Schwäbischen' dadurch, daß wir die Lautverschiebung nie zur
Kenntniss genommen haben und ähnlich den Friesen das Mittelhochdeutsche
pflegen. In Unkenntniss halten die meisten Deutschen das Schriftdeutsche
(nicht 'Hochdeutsche' - das wäre ein Dialekt!!!!) für eine Hochsprache. Dem
ist nicht so. Schriftdeutsch ist eine Kunstsprache, die nirgends gesprochen
wird. Das Alt-Alemannische ist aber die logische Fortschreibung des
Mittelhochdeutschen. Wir Alemannen fühlen uns hierbei außerordentlich wohl.
Immerhin haben Persönlichkeiten wie Otto der Grosse, Friedrich I.
(Barbarossa), Albertus Magnus (Wissenschaftler, vielleicht der Entdecker
der Gotik >aber das könne Sie ja nicht wissen), Luther, Heinrich von der
Vogelweide und der Nibelungendichter 'mittelhochdeutsch' gesprochen.
Schriftdeutsch reden Bundekanzler, wie Herr Schröder, der bekannte Herr
Gysi, Derrick, manchmal auch Verona Feldbusch. Manche können nicht mal das!
Ich stamme aus einer hochentwickelten Gegend, wo die Kinder von klein auf
zweisprachig erzogen werden. Wir verstehen Euch, Ihr uns nicht! Das
Alemannische ist eine sehr effiziente Sprache, die Sie übrigens an der UNI
in Basel auch studieren können. Wozu andere ganze Referate brauchen, das
drücken wir in einem Satz aus! 'Gewesen' heißt bei uns 'Gsi', 'das Essen
war hervorragend und ich danke ihnen für die Einladung' würde ich mit 'It
schlächt' übersetzen. Und 'wie bitte?' heißt bei uns einfach 'Hä?'
Spuren dieser Sprache finden sich noch in Friesland und in den Köpfen
älterer Zeitgenossen, die noch 'Platt' sprechen können. Das Alemannische
prägt die Sprache immer noch. Das umgangssprachliche 'Händi' (nicht
'Handy') ist klar alemannischen Ursprungs. (Hän di kei Schnur?) Als
Vorderösterreicher (die Betonung liegt auf Österreich) haben wir
gleichzeitig die Großmacht Österreich erfunden und die Fähigkeit andere
unsere Überlegenheit nie spüren zu lassen. So behalten wir unser Grinsen
für uns, wenn unbeholfene Norddeutsche Wörter wie 'Hüsli' (immer noch die
intelligenteste Art der Verkleinerung, wenn man bedenkt wie bescheuert sich
'Häuschen' anhört!) oder 'Maidli' aussprechen. Das 'i' am Schluß wird leer
gesprochen, nicht spitz. Verdammt nochmal! Hört Harald Schmidt zu. Der
kann's. Das Erlernen der alemannischen Sprache ist übrigens eine Illusion.
Alemannisch kann man von Geburt aus oder gar nicht. Alemannisch wird im
Hals gesprochen. 'Ch. Ch, Ch.' Daß man den Hals zur Ausdrucksfindung
benutzen kann, darauf sind die Preußen nie gekommen. Was Friedrich den
Grossen wohl zu dem Ausspruch veranlasst haben mag, daß er Gott für jeden
Franzosen und Süddeutschen danke - mit der einheimischen Bevölkerung sei
ohnedies nix anzufangen.
Nochmal: Keine Verunglimpfung mit schwäbischen Lauten. Bis in die Neuzeit
wurde der Hanswurst auf deutschen Volksbühnen immer von jemand dargestellt,
der des schwäbischen Dialekts mächtig war. Ein Hinweis: Die Übersetzungen
in's Schwäbische in ihren Text wurden mit Sicherheit von Berlinern
durchgeführt. Da sind einige grammatikalische Fehler drin, die einem
Schwaben nie unterlaufen würden!! Weswegen dieses Land auch
jahrhundertelang von Alemannen, den Hohenzollern, regiert wurde. Wir helfen
ja, wo wir können!
Mein früherer Abteilungsleiter, der Herr Seger, Chef der TA-Kredit in Bad
Säckingen hat es mal, lange vor der Wiedervereinigung auf den Punkt
gebracht. 'Es gehört eine Mauer gebaut und keiner rüber gelassen!'. Er
meinte aber nicht die DDR. Er wollte die Mauer bei Frankfurt. Dort trennt
sich Nord- und Süddeutschland. Die sogenannte Main-Tauberlinie, die alte
österreichisch-preussische Interessengrenze. Südlich davon, dort wo die
Maultaschen erfunden wurden (heute heißen sie Ravioli), die Nudeln (im
alemannischen Spätzli genannt), die Pizza (die vordem Waie oder Dinne
hieß), Baquette und Croissants (nichts anderes als ein österreichisches
Weißbrot und ein Gipfel, dem osmanischen Halbmond nachgebildet), wo Kultur
und Großzügigkeit herrscht, auch anderen Kulturen gegenüber. Wie oft habe
ich die italienischen Kinder vor meinem Elternhaus ermahnt, wenigstens
nachts um 4.00 h das Fußballspielen einzustellen....
Ich verzeihe Ihnen.
Auf eine Sonderpürfung dürfen sie trotzdem hoffen!
Ihr, von Ihnen hochgeschätzter
Innenrevisor